Wappen und Erdachse

 Der Erdachsenbrunnen auf dem Marktplatz Bernstadt auf dem Eigen

 

In der Mitte eines granitenen Beckens trägt ein Sockel die Erdkugel in Kupferlegierung mit reliefartiger Darstellung der Erdteile. Vier Fischmäuler speien Wasser in die vier Himmelsrichtungen, und von einem Kupferreif lächeln vier Putten den Betrachter verschmitzt an, als wollten sie sagen: "Es ist ja alles nur ein Scherz". Liest man dazu noch den Spruch am Bassin "Viele Orte stritten sich in Sachsen, wo wirklich sei der Erde Achsen - jetzt ist sie uns hierher befohlen, nun soll sie auch kein Teufel holen", so ist uns gewiß, dass hier Schabernack getrieben wird.

 

 

Erdachsenbrunnen auf dem
Marktplatz in Bernstadt a. d. Eigen

 

Nun war es damals in den 80er Jahren üblich, dass die Studenten des Löbauer Königlich-Sächsischen Lehrerseminars ein- oder zweimal im Jahr in Bernstadt, wie vermutlich auch in anderen Orten, Konzerte gaben, die in der damaligen medienarmen Zeit willkommene Höhepunkte des Alltagslebens waren. Sie übernachteten in Bürgerquartieren, und anscheinend wurde schon damals dem Bernstädter Bier kräftig zugesprochen, denn am anderen Morgen ging es zum Katerbummel, der immer mit einem Tanz um die Brunnensäule endete. Bei einem dieser Umzüge gaben die Seminaristen dieser den Namen "Erdachse". Schnell machte diese Namensgebung die Runde im Städtel und seiner Umgebung.

 

 

Inschrift am Erdachsenbrunnen in Bernstadt auf dem Eigen

 

Die alte Brunnensäule jedoch hatte seit der Jahrhundertwende durch die Einführung der elektrischen Beleuchtung und die Verbesserung der Wasserversorgung ihre Funktion verloren und wurde auch zunehmend hinderlich für den Durchgangsverkehr über den Markt. 1938 wurde sie im Zuge einer neuen Marktgestaltung, bei der auch die Marktlinde gesetzt wurde, abgebaut. Dafür entstand ein Jahr später der von Prof. Born, Dresden, entworfene heutige Marktbrunnen, der den Spaß um den gußeisernen Kandelaber lebendig halten soll. Die Vorbereitung der 750-Jahr-Feier der Stadt 1984 brachte dem Markt die letzte umfassende Verschönerungskur seit 1938.

 

 

Wappengeschichte der Stadt Bernstadt auf dem Eigen

 

 

Die Wappengeschichte des Oberlausitzer Ortes Bernstadt ist inhaltlich ein wenig kurios. Bernstadt trägt zwar auf blauem Feld eine feste Mauer und einenTurm, die den Stadtstatus besonders unterstreichen - aber Bernstadt besaß nie eine geschlossene Mauer, nur drei Tore "schützten" die Stadt. Und sie fielen außerdem dem großen Stadtbrand von 1828 zum Opfer. Im Jahre 1900 wurde das heute gültige Wappen bestätigt, das sich aber sehr eng an eine seit 1538 bestehende Form anlehnt. Zwischendurch gab es auch einmal ein Wappen mit waagerecht verlaufender zinnenloser Mauer. Ein Verleihungszeitpunkt ist nicht bekannt. Mit Sicherheit aber ist anzunehmen, dass das Wappen vom damaligen Besitzer Bernstadts, dem Kloster Marienstern bei Kamenz, verliehen wurde.